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Zu allen Stücken sind Vor- und Nachbereitungen durch die Theaterpädagogin und die Dramaturgie möglich.

DIE RÄUBER
Friedrich Schiller, Regie: Martin Laberenz

Bis heute gilt Schillers Karl Moor als Inbegriff des deutschen Revolutionärs. Sein Aufstand gegen die Obrigkeit ist eine Rebellion der Jugend gegen die Generation der Väter, und damit gegen das herrschende System. Karls Fehler: Es ist eine Revolte für das Volk, aber nicht durch das Volk. Nicht politische Veränderung, sondern materieller Egoismus ist die Maxime seiner Räuberbande. Im Verhalten der Brüder Karl und Franz Moor wird Schillers Kritik an der Aufklärung evident. Er stellt die Frage, welcher Mensch, welche Gesellschaft ohne Kategorien wie Moral, Schuld oder Gewissen bestehen kann.
Neu in der Spielzeit 2010/2011

VATERMORD
nach Arnolt Bronnen, Regie: Robert Borgmann

Mehr als das Kind seiner Eltern war Bronnen ein Kind seiner Zeit, in der sich Anfang des 20. Jahrhunderts mit pathetischer Erregtheit zahlreiche Jugendbewegungen formieren. Sie rufen eine neue Zeit aus, die im Ersten Weltkrieg schnell altert und im Zweiten aus „Wandervögeln“ „Hitlerjungen“ rekrutiert. Bronnen selbst vollzieht seinen symbolischen Mord am jüdischen Vater, indem er sich für seinen „Ariernachweis“ zum Sohn eines anderen erklärt. Im VATERMORD verbaut er dem Jungen Walter den erträumten Zukunftshorizont durch häusliche Enge, in der die Verdrängung des Vaters so gewaltig ist, dass die Befreiungsschläge tödliche Wunden reißen.
Neu in der Spielzeit 2010/2011

JEDERMANN
Hugo von Hofmannsthal, Regie: Jürgen Kruse

Für von Hofmannsthal war JEDERMANN der Versuch, mit dem Theater das Chaos zu ordnen, in der Verwirrung seiner Gegenwart die Übersicht zu behalten. Unsere Gegenwart ist womöglich noch komplizierter geworden. JEDERMANN ist ein anderer. Der Mythos aber erzählt das komplette Bild des Menschen, also auch unser Bild heute: das Bild des Menschen im Gespräch mit sich selbst, mit seiner Vergangenheit und Zukunft. Mit seinem Ende. So lässt sich von Hofmannsthals JEDERMANN verstehen als philosophisches Experiment.
Neu in der Spielzeit 2010/2011

DER ZAUBERBERG
nach dem Roman von Thomas Mann; Regie: Sebastian Hartmann

Was heißt das: Überleben? Wann erobert Leben Gipfel, wann stürzt man ab? Oben und Unten, Berg – und Tal; beide Blickrichtungen können den Ungeübten schaudern machen. Bergsteiger müsste man sein! Alpinist! Ausgerüstet mit Haken, Seilen und ordentlichem Proviant! Der Weg ist steinig, und steil. Und gefährlich. Dauernd ändert sich das Wetter. Thomas Manns Jahrhundertroman beobachtet den Menschen an der Natur-Kultur-Schwelle des vorhergegangenen Jahrhunderts. In ihm bewegen wir uns atemlos auf die Katastrophe zu. Wir: die Kranken, Hungrigen, Todeslüsternen, wir gierigen Kleingeister. Wie im Fieber – werden wir kurz wach, blind vom Schnee, irgendein Paradies im träumerischen Kopfbild, und wir gehen los.
Neu in der Spielzeit 2010/2011

DIE NACHT, DIE LICHTER (UA)
Clemens Meyer, Regie: Sascha Hawemann

Es sind Menschen in Hotels, auf der Reise oder in der Einsamkeit daheim. Menschen in Zwischenwelten, die scheinbar verloren durchs Leben straucheln, auf der ewigen Suche nach dem kleinen Glück, nach Liebe, nach Hoffnung, die Clemens Meyer meisterhaft in seinem Erzählband DIE NACHT, DIE LICHTER beschreibt. „Das Ensemble verkörpert die Randgestalten mit enormem Einfühlungsvermögen, Liebe zum Detail und großer Energie. Die dramatisierte Fassung von Meyers Erzählband wirkt nach, noch lange nach dem Verlassen des Centraltheaters.“ [Mitteldeutsche Zeitung]

PUBLIKUMSBESCHIMPFUNG
Peter Handke, Regie: Sebastian Hartmann

PUBLIKUMSBESCHIMPFUNG ist keine Tirade gegen den Zuschauer. Es ist eine virtuose Komödie, die mit der Wahrnehmung und Illusion auf der Bühne spielt, mit der Möglichkeit und Unmöglichkeit von Theater jenseits von Figuren und Handlung. Es geht um die Wahrheit des Augenblicks, die Komik oder Tragik des Moments, der Zurschaustellung der Oberflächlichkeit unserer Mediengesellschaft, darum, was hinter dem Schein und zwischen den Zeilen ist. „Eine grandios hintersinnige Mogelpackung, in der es viel zu lachen gibt. Auf der Bühne dreht es sich vor allem um Philosophie und Theater. Raum, Zeit, Welt, Erwartung, Wirklichkeit, Kunst und die verloren gegangenen Gewissheiten.“ [Leipziger Volkszeitung]

DAS FEST
Thomas Vinterberg/Mogens Rukov, Regie: Martina Eitner-Acheampong

Am Ende des Geburtstagsfestes ist nichts mehr, wie es war, zu Beginn – alle Masken sind heruntergerissen, die Lebenslügen sind zerfallen, die Wahrheit ist gesagt und neue Lügen sind schon wieder ausgesprochen. Das System „Familie“ ist so alt wie das Theater selbst. DAS FEST hat es als eines der ganz wenigen zeitgenössischen Stücke zu dauernder, sehr erfolgreicher Präsenz auf den Spielplänen gebracht. „Kein leichter, aber ein großer Abend. Man könnte sich zu der Meinung versteigen, dass die Leipziger Inszenierung besser ist als das Stück selbst.“ [MDR Figaro]

DER KIRSCHGARTEN
Anton Tschechow, Regie: Sebastian Hartmann

Russland am Vorabend seiner ersten Revolution – ein Dichter stirbt an seinem letzten Stück. Das Stück handelt vom Vorabend des neuen, anderen Lebens, soll aber eine Komödie werden. Die Gesellschaft, die dieses Stück schreibt, ist am Ende. „Die Kraft und Lebendigkeit, die Glaubwürdigkeit und die Dringlichkeit sowie die Unmittelbarkeit, die der Abend besitzt, wiegen schwer. Es gibt viele funkelnde Splitter zu entdecken.“ [Süddeutsche Zeitung]

MEDEA
Regie: Clemens Schönborn

Sie ist eine der größten Frauengestalten der Literaturgeschichte. Sie gilt als Inbegriff für alles Fremde, Unbegreifliche, Grausame. Für Ruhm und Ehre bricht sie mit ihrer Familie, vernichtet ihre eigene Dynastie und wird zum Mythos. Aber erst ihre Interpretinnen auf der Bühne machten sie unsterblich. Sophie Rois ist Medea. „Ein sehr gelungener, erfrischender Versuch, mit dem Mythos Medea umzugehen.“ [Deutschlandradio Kultur]


Preis pro Schüler 6 Euro / Lehrer frei