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Theater polarisiert. Neue Theaterformen sind fremd. Sie arbeiten mit einer Zeichensprache, an die Schüler und Lehrer herangeführt werden müssen. Kein Theater ohne Publikum! Und weil dem so ist, bedeutet Theater auch für den Zuschauer mehr als nur Zuschauen.

„Theater ist ein Zeichensystem, das nur vorhanden ist, solange Menschen vorhanden sind, die es verstehen. Darum müssen wir die Zuschauerkunst entwickeln und dafür strukturelle und organisatorische Rahmenbedingungen schaffen.“ Wekwerth, Theater und Wissenschaft. Überlegungen für das Theater von heute und morgen. München 1974.

Eine Rückkopplung zwischen Bühnengeschehen und Publikumsraum kann nur geschehen, wenn der Zuschauer auch wirklich in der Lage ist, mitzuspielen. Der Theaterbesucher sieht sich der Aufgabe gegenübergestellt, die szenischen Symbole, Appelle und Signale zu strukturieren, die verschiedenen Zeichen zu dechiffrieren und sie in seine eigene Umgangssprache zu übersetzen. Klaus Lazarowicz beschreibt, wie es gelingt, sich der Sprache des Theaters zu nähern:

„Wer seine Sinnesorgane durch häufigen Theaterbesuch für die diskreten und manifesten Sensationen der Bühne empfänglich macht, wer sein Gedächtnis für Räume, Farben, Bewegungen, Töne und Geräusche schult, wer seinen Geschmack durch den Vergleich von verschiedenen Aufführungen beharrlich sublimiert und seine Urteilskraft, die ästhetische und reflektierende (mit Kant zu sprechen), immer wieder auf die Probe stellt – der wird sich nach einer gewissen Zeit zu dem Kreis der Kenner rechnen dürfen, die nicht nur für das Schicksal einer Aufführung mitverantwortlich sind.“
Lazarowicz, Triadische Kollusion. Über die Beziehung zwischen Autor, Schauspieler und Zuschauer im Theater. Wien 1977.

Versteht das Publikum die symbolischen und assoziativen Ausdrucksformen der Theatersprache nicht (mehr), dann wird es schwer, Gefallen an dem Geschehen auf der Bühne zu finden. Hat aber der Zuschauer die Möglichkeit, in Zusammenarbeit mit Theaterprofis diese Ausdrucksformen zu erlernen und sie auf seinen Theaterbesuch anzuwenden, kann dieser wieder zu einem bedeutenden Teil des gesellschaftlichen Lebens werden.

„Theater wird erst wirklich, wenn das Publikum mitspielt.“
Hermann Bahr, Dramatiker und Theaterkritiker

Zuschauen ist, so gesehen, eine besondere Form der Aktivität. Sie nimmt alle sensitiven und kognitiven Fähigkeiten des Theaterbesuchers in Anspruch. Dieser Prozess im Zuschauer geschieht nicht aus sich selbst heraus, sondern muss erlernt werden. Dazu bedarf es regelmäßiger und qualifizierter Anleitung in jungen Jahren. Die Zusammenarbeit von SCHULE UND THEATER macht diesen Lernprozess möglich. Es gilt, neue Konzepte für die Zusammenarbeit zu finden, um projektorientierte Arbeit und schließlich den Theaterbesuch selbst kreativ zu fördern.