Über Wunden

Jugendclub U21 des Saarländischen Staatstheaters
Text von Mara Käser und dem Ensemble U21

Und dann wirft die Welt einem ein anderes Bild entgegen, klatscht es einem vor die Füße, und man denkt, aha, das bin ich also, komisch, hab mich immer anders wahrgenommen, nehme ich mich denn überhaupt selbst wahr? Komme ich in meinem Leben überhaupt selbst vor, bin ich nicht viel eher ein unfertiges Etwas, das zu funktionieren hat, im System der anderen? In dem Projekt des Jugendclubs U21 am Saarländischen Staatstheater geht es um Selbstverletzung, Ritzen. Die -Jugendlichen zeigen ein Mosaik aus Überforderung, Wut, der Unfähigkeit, seine Gefühle zu artikulieren; das Ende der Sprache, wenn es um den Schmerz der Seele geht. Warum nicht einfach Stopp schreien, warum nicht rebellieren oder sich verweigern? Aber wenn man das könnte, müsste man sich nicht schneiden … Es geht nicht um Schuldzuweisungen, hier werden auch keine Erklärungen abgegeben. Vielmehr werden die Innenräume einer Jugendzeit nach Schieflagen, missglückter Kommunikation und dissoziativen Momenten durchforstet. Entlang verschiedener Stationen durchlebt die Protagonistin die mitunter sehr schmerzvolle Entwicklung des eigenen Ichs. Am Ende steht die Hoffnung, sich aus den auferlegten Zwängen befreien zu können und sich selbst zu lieben.

Die Inszenierung basiert auf Improvisationen der Jugendlichen und dokumentarischen sowie wissenschaftlichen Texten. Zudem hat die junge Autorin Mara Käser, die von 2006–2009 selbst Mitglied des Jugendclubs war, für das Projekt Texte zum Themenkomplex Autoaggression geschrieben.

„Eine Eigenproduktion mit Texten einer ehemaligen Spielerin der Gruppe, die unter die Haut gehen. Die Texte sind ganz nah an ihnen und ihren Fragen, wie man einen Platz in der Gesellschaft findet, wenn man sich selbst nicht lieben kann. Sie fragen sich gegenseitig: Was machst du, wenn der Druck zu groß wird? Dazu finden alle Spieler/in-nen eine Haltung auf der Bühne, konkret und ohne Moral. Am Ende fragen sie: Warum sind alle so viel schöner als ich, warum sind alle so viel besser als ich? Warum sagst du nie, wir schaffen das zusammen?“ 

Sarah Jasinszczak (Jury)

Leitung U21 und Inszenierung: Jörg Wesemüller
Bühnenbild: Wendelin Heisig
Kostüme: Esther Criado Valladares
Mit:
Jonas Degen, Cathrine Dumont, Dominic Ecker, 
Estella Eckert, Janosch Fries, Jenny Fuchs, 
Rebecca Gracher, Jannica Hümbert, Benjamin Kelm, 
Julia Leick, Magdalena-Victoria Meiser, Stefanie Mejeh, Helen Meyer, Jan Meyer, Benedikt Paulun, 
Carmen Rosenkranz, Lisbeth Woll

Dauer: ca. 80 Minuten
Weitere Infos: www.theater-saarbruecken.de